Warum ich aus meinen Töchtern keine Prinzessinnen machen möchte

Als  mittlerweile zweifache Mädchenmama frage mich hin und wieder, ob ich meine Mädels anders behandeln oder „erziehen“ würde, wenn sie zwei kleine Buben wären. Wahrscheinlich nicht. Glaube ich zumindest. Denn meine Mädels – bei der Großen lässt es sich schon eher feststellen – verhalten sich auch nicht unbedingt rein „burschikos“ oder „mädchenhaft“ – was auch immer diese Begriffe bedeuten mögen. 

Meine 2,5 jährige Große hat zwar mittlerweile eine Vorliebe für Rosa und Lila, hat sich aber vor Kurzem eine rote Winterjacke ausgesucht. Sie mag kuschelige Pullover und spielt gerne in ihrer Kinderküche. Ihre Stofftiere sind ihre besten Freunde und neben dem Kochen, ist sie meistens entweder am Malen oder am Basteln. Gleichzeitig baut sie Straßen für ihre Autos aus Klopapier oder Garagen aus Kapla-Steinen. Sie hat sich vom Christkind ein Feuerwehrauto gewünscht, war allerdings etwas enttäuscht von dem großen lärmenden Ding. Gottseidank hat sie auch ein Zweites, Kleineres bekommen, das wesentlich besser angekommen ist. Auf dem Weg in den Kindergarten haben wir eine Zeit lang jedes Auto nach seiner Marke benannt und bei jeder Baustelle bleiben wir mindestens 10 Minuten stehen. Seit Wochen verlangt sie nach mindestens zwei Gutenacht-Geschichten vom Feuerwehrmann Sam. Sie trägt meistens Hosen und hätte sicherlich auch nichts gegen eine burschikose Latzhose (wie sie u.a. bei Engelbert Strauss erhältlich ist) – Kleider kramen wir nur zu speziellen Anlässen hervor. Jedenfalls: Ein kleines Prinzesschen ist sie in meinen Augen nicht.

Es ist ja nicht so, dass ich etwas am rein „Mädchenhaften“ oder an Prinzessinnen auszusetzen hätte. Jedoch habe ich das Bild einer Prinzessin vor mir, die etwas naiv, „tussig“ und hilflos durch die Welt tapst und davon träumt, von einem Prinzen gerettet zu werden. Und dieses Bild passt einfach nicht zu meiner einigermaßen emanzipierten Haltung, die ich meinen Töchtern mit auf den Weg geben will. Gleichzeitig verstehe ich unter einer Prinzessin auch jemanden, der Befehle erteilt und darauf wartet, dass diese ausgeführt werden. Auch so ein Kind möchte ich nicht „heranzüchten“, da es immerhin noch der Papa und ich sind, die das Sagen haben in unserer Familie.

Und das ist mein Weg dabei:

Im Umgang mit meiner 2,5 jährigen Tochter versuche ich, das Wörtchen „brav“  so selten wie möglich zu verwenden, weil es für mich nur einen geringen Aussagewert hat. Ich bremse sie nicht, wenn sie „zu laut“ ist (außer morgens, wenn der Nachbar unter uns noch schläft) und mag es, wenn sie wild durch die Gegend singt. Ich lasse ihr oft großen Freiraum und Zeit und räume ihr ein gewisses Mitbestimmungsrecht ein. Sie darf bzw. soll sehr vieles selber machen und selbst entscheiden, was sie anzieht/isst/spielt… Aber: Alles kann nicht nach ihrem Kopf gehen: Wenn einer ihrer Wünsche nicht in Erfüllung gehen kann, sage ich ihr klipp und klar und auf „Kleinkind-verständliche“ Art und Weise, warum diesmal eben das gemacht wird, was ich möchte, denn ganz ehrlich:

Dieses kleine, wenn auch sehr kompetente Mädel entscheidet nicht, welches Gute Nacht Lied ich der kleinen Schwester vorsinge, zu welchem Song ich am liebsten beim Aufräumen durch die Wohnung tanze oder ob ich den von ihr übrig gelassenen Porridge aufesse oder nicht (Das waren nur einige der letzten „Diskussionspunkte“ der letzten Woche). Das kleine Mädel entscheidet ohnehin den ganzen Tag schon genug. Und ich bleibe immer noch die Königin.

Bildrechte: Pixelio, engelbert-strauss.at

Mehr Infos zu geschlechterneutraler Erziehung findest Du übrigens hier:

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