Kann jede Mama glücklich sein?

Wenn man dem Buchtitel „Jede Mutter kann glücklich sein“ von Inga Erchova Glauben schenkt, lautet die Antwort auf diese Frage: „Ja“. Bei diesem Buch mit dem ansprechenden Titel handelt es sich allerdings nicht um eine simple Anleitung zum Glücklichsein, sondern viel mehr um die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und dem inneren Kind.

Was eigentlich selbstverständlich sein „sollte“, nämlich nach der Geburt in den Wogen des Glücks zu schweben, entpuppt sich in der Realität als ganz schöne Herausforderung. Denn: So großartig es sein mag, ein kleines Wunder auf die Welt zu bringen und damit in die Mutterrolle zu schlüpfen. So mancher Frau fällt es auch schwer, mit der neuen Rolle zurechtzukommen und das Glück des Mutterseins zu genießen oder überhaupt erst wahrzunehmen.

Nach einer mitunter „schweren“ Geburt, stets mit dem Baby auf dem Arm, nach schlaflosen Nächten und einer teils gnadenlosen Überforderung ist es oft alles andere als „einfach“, den Alltag als Neo-Mama zu bewältigen. Dazu kommen die hormonellen Tiefen des Wochenbetts und erste Zwistigkeiten in der Partnerschaft, wie es nun „erzogen“ werden soll, das Kindlein.

So ähnlich schildert die Autorin die Problematik von heutigen Müttern. Sie spricht vom Schock Nr. 1, verursacht durch ein Baby, das nach Nähe, Zuwendung und Liebe verlangt und vom Schock Nr. 2, den Frauen mit sich selbst als Mutter erleben, weil sie dabei neue Seiten an sich kennenlernen, die ihnen bisher unbekannt waren.

Dies geschieht, weil eine Geburt und die Zeit danach eine Reise nach innen ermöglicht, ein Résumé des bisherigen Lebens gezogen wird und dabei die eigene Kindheit nochmals durchlebt wird. Klar, dass dann wunde Stellen an die Oberfläche treten können. Eigene Erfahrungen in der Kindheit spiegeln sich übrigens auch im Umgang mit dem eigenen Kind wieder. Denn:

„Nichts prägt unser Elternsein mehr als die eigene Kindheit.“

Egal, wie sehr wir uns auch vornehmen, unsere Kinder anders zu behandeln, als wir selbst behandelt worden sind.  Oft ist es so, dass sich ein bestimmter Weg zu erziehen oder auch nicht zu erziehen über Generationen fortsetzt, gewisse Werte und Glaubenssätze in der eigenen Familie wieder gelten und unhinterfragt übernommen werden. Das ist ja an sich nicht negativ, nur tut es gut, sich dessen bewusst zu sein.

Und falls in der eignen Kindheit nicht alles rosig war: Um sich mit Schatten der Vergangenheit anzufreunden und die Mutterrolle als Glück zu empfinden, empfiehlt die Autorin die Aussöhnung mit dem inneren Kind oder auch das Bemitleiden des Kindes, das man einst gewesen ist. Das gelingt mittels verschiedener Reflexionsübungen, die in dem Buch geschrieben sind, oder der Methode der Konstruktion persönlicher Lebensgeschichten – dazu benötigt es aber eine richtige Psychotherapie.

Fazit: Das Buch bietet eine Mischung aus informativen Wissen und wertvollen Anregungen für den Umgang mit dem eigenen und dem inneren Kind. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und bei mir einen Selbstreflexionsprozess ausgelöst, wie ich als Mutter sein möchte und in manchen Situationen dann wieder ganz anders bin. Ob das an meinem inneren Kind liegt?

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