Wie viel Förderung brauchen Schulkinder? + Expertenmeinung

Nachdem ich letzte Woche dieselbe Frage im Bezug auf Kindergartenkinder gestellt habe, geht es heute um die Schulkinder.

Dazu habe ich wieder eine Expertin eingeladen, mich an ihrem Wissen und Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Dipl. Päd. Nikola-Daniela Krisch (u.a. Kinder-und Jugendcoach, Lehrerin und Beratungslehrerin, Anti-Mobbing-Trainerin, Trauma-Pädagogin…) von er.lern.bar sieht die Sache nämlich so: 

Brauchen Kinder abseits der Schule noch zusätzliche Anregungen?

Ich bin der Meinung, dass die Wahl von musikalischen oder sportlichen Zusatzangeboten für Kinder nur unter Betrachtung verschiedener Aspekte in Erwägung gezogen werden sollte:

  1. Wenn das Kind gezielt danach fragt. Und damit ist nicht gemeint, dass es gerne ins Fußballtraining gehen möchte, weil der beste Freund das auch macht. Man sollte seinem Kind wirklich die ernst gemeinte Frage stellen, warum es sich wünscht, diese Freizeitaktivität zu machen. Wenn sich das Kind dazu äußert, dass es ja Fußball auch im Fernsehen mag, es gerne schneller mit dem Ball drippeln mag, es sich auf Wettkämpfe/Matches etc. freut, dann hat ganz offensichtlich tatsächliche Beweggründe dafür.

2. Wenn ich erkenne, dass ein Kind eine spezielle Begabung für etwas aufweist und es auch alles von selbst (!) daran setzt, diesen Sport, das Musikinstrument etc. ausüben zu dürfen.

3. Wenn das Kursangebot anstelle der Nachmittagsbetreuung oder des Horts fällt. Für mich ist es nämlich dann etwas schwierig, wenn man dann auch noch nach der Nachmittagsbetreuung am frühen Abend solche Kurse für Kinder ermöglicht. Das ist meist zu viel. Auch wenn Eltern denken, ihr Kind benötigt diese Bewegung, diesen Ausgleich, macht es Sinn viele „Luftlöcher“ stattdessen zu schaffen. Ich behaupte, wenn man Kindern Zeit und Raum zum Träumen und Langweilen geben würde, müssten die Kinder nicht krampfhaft Druck über Bewegung abbauen müssen. Sicherlich ist sportliche Betätigung gut, aber ich würde mir wünschen, dass junge Kinder nicht einen Freizeit-Terminkalender wie Manager hätten. Qualität statt Quantität sollte das Ziel sein. Etwas Ausgewähltes…

Und wenn sich das Kind für mehrere Dinge interessiert, dann entweder schnuppern lassen und sich danach entscheiden oder pro Semester oder Schuljahr etwas wählen und danach einfach wechseln.

Was bringt die zusätzliche „Förderung“?

Ich halte es für sehr förderlich, dass Kinder in einer neuen Peergroup und einer neu zusammengestellten Interessensgruppe Erfahrungen sammeln können. Die Kinder müssen lernen, sich wieder neu einzufinden und sich auch an andere Regeln gewöhnen. Sie können außerhalb des Schulalltags Freunde gewinnen. Auch das Messen und sich Ertesten in einem unbekannten Gebiet ist eine tolle Herausforderung. Verlieren lernen zu können, sich in der Gruppe gegenseitig aufzubauen, zu motivieren oder sich durch Üben langsam zu einem Ziel vorzuarbeiten, sind in einem lustbetonten Terrain einfach wesentlich effektiver als bei Lernstoff im Schulbetrieb. 

Oder ist das alles nur zusätzlicher „Stress“?

Ich denke auch, dass es entscheidend ist, ob mein Kind nur bis mittags eine Schule besucht und dann zu Hause die Hausübung macht oder ob mein Kind nachmittags fremdbetreut ist. Selbst wenn sich das Kind in Hort oder Nachmittagsbetreuung wohl fühlt, gibt es hier viele Reize, die das Kind zu verarbeiten hat. Es muss sich zwischen Gruppierungen zurechtfinden, eventuell dem Druck durch andere Kinder standhalten oder auch einfach nur die Geräuschkulisse tagtäglich bewältigen. Daher sollte man das Zusatzprogramm in der Freizeit bedacht wählen und sich für einen ausgewählten (!) Kurs entscheiden.

Und wie seht ihr das?

Bildrechte: Pixelio

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Ein Kommentar

  1. Ich denke auch das es von Kind zu Kind unterschiedlich ist. Wir versuchen jetzt seit dem Sommer unseren Alltag auszutesten, da er jetzt in die Schule geht. Mit WingTsun (grad noch2x die Woche) und 1x die Woche Schwimmen sind wir stark ausgelastet, da unser Sohn bis 15 Uhr in der Schule ist. Im neuen Jahr wird sehr wahrscheinlich nur 2x Sport die Woche geben, damit kein Stress entsteht, weil lernen und üben für die Schule muss angeblich auch noch sein (wir testen und überlegen noch) und jedes Kind braucht auch seinen Freiraum. Liebe Grüsse

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