5 Monate Schwestern-Sein

Jetzt wird mir nicht mehr fad mit meinem Schwesterlein, jetzt geht es endlich los mit dem gemeinsamen Spielen.

Seit ich nämlich wieder einmal so richtig arg krank war und deshalb ein Krankenhaus von innen gesehen habe, ist meine kleine Schwester meine neue Lieblingspatientin. Sie wird von mir geimpft, abgehorcht, eingegipst, bekocht und mit ordentlicher Medizin versorgt. Das macht sie alles mit – ohne mit der Wimper zu zucken. Genauso habe ich mir das vorgestellt.

Nur mit dem Verstecken spielen, Malen, Lego bauen und Basteln… da hapert`s noch ein wenig. Außerdem steckt die Kleine alles in den Mund, was ich nicht so toll finde, denn immerhin ist es noch mein Lego, mein Buch oder mein Stofftier. Mama geht da schon ab und zu dazwischen, wenn ich mir meinen Besitz gerechterweise zurückerobere und faselt etwas daher von „sie will es sich ja nur ausborgen“. Ha, schön und gut. Wenn es nur Ausborgen wäre. Aber sie schmatzt ja alles voll. Es reicht mir schon, dass mein großer Lieblingsbär als Stillkissen herhalten muss und schon ein wenig nach Muttermilch müffelt.

Und so gerne ich die Kleine auch habe, nervt es mich schon, dass sie sich beim Schlafen tagsüber so dämlich anstellt und nur in der Trage oder an Mamas Brust einschläft. Überhaupt: Warum müssen Babys am Tag überhaupt schlafen? Das ist doch langweilig. Deshalb leiste ich der Kleinen beim Einschlafen auch gerne Gesellschaft, indem ich ihr mehr oder wenig zärtlich über den Kopf streiche, ihr ein Liedchen vorsinge oder ihr ein Kuscheltier vor die Nase halte. Meist findet sie das so toll, dass ihr die Lust aufs Schlafen meist vergeht. Mama wird dann immer ganz nervös oder grantig und versucht mich mit irgendwelchen Tricks von meinem Schwesterchen fernzuhalten. Nur blöd, dass ich auf fast alle Tricks nicht mehr hineinfalle. 

Ich werde nämlich Tag für Tag schlauer: Ich weiß, wie ich Mama dazu bringe, noch mehr Honig in meinen Porridge reinzulöffeln und Papa dazu bewege, mir unendlich viele Gute Nacht-Geschichten zu erzählen. Nebenbei kenne ich den gesamten Aufgabenbereich von Feuerwehr, Rettung und Polizei, kann einige Automarken unterscheiden und strebe demnächst eine Stelle als Assistenzärztin an. Weil ich aktuell so schlau bin und alles besser weiß, verstehe ich auch nicht, dass Mama und Papa dasselbe behaupten. Das geht so weit, dass zwischen Mama und mir bereits heiße Diskussionen ablaufen, die meist in „Ich entscheide das“ – „Nein, ick entscheide das“ ausufern und selten mit Gelächter, oft aber auch mit Wut oder mit schlechter Stimmung enden. 

Dabei will ich mich ja gar nicht so aufführen. Manchmal überkommt es mich einfach, dass ich so wütend werde, wenn nicht alle genau das machen, was ich will bzw. wenn ich nicht das machen darf, was ich will. Ginge es Euch da nicht anders?

Da denke ich oft: Schön war das als Babylein, als ich noch nichts entscheiden musste und ganz einfach das getan habe, was Mama und Papa von mir wollten. Darum beneide ich mein Schwesterchen manchmal. Denn: Es ist nicht immer einfach, groß zu werden… auch wenn es toll ist, vieles „alleine“ zu können. Manchmal würde ich auch gerne wieder ein klitzekleines Baby sein. Versteht Ihr das?

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