Babypflege à la Pikler

Bereits bei Baby Nr.1 habe ich mich ein wenig mit den Ideen der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler beschäftigt, Pikler-Spielgeräte ausgeborgt und einen Spielraum à la Pikler besucht. Meine bisherigen Beiträge dazu findet ihr übrigens hier und hier.

Mit der Babyschwester gehe ich es bereits bei der Babypflege ein weniger piklerischer an, auch wenn es mir manchmal ein wenig seltsam vorkommt, wenn ich dem kleinen Sonnenschein detailliert beschreibe, wie ich das Gacki diesmal entferne, aber dazu später…

Emmi Pikler räumt der Pflege eines Säuglings großen Stellenwert in der Entwicklung eines Babys ein. Da nämlich im frühen Lebensalter die physiologischen und psychischen Bedürfnisse miteinander verbunden sind, erlebt das Baby in der Befriedigung seiner körperlichen Bedürfnisse auch die Befriedigung der emotionalen Bedürfnisse. Durch eine sorgsame und umsichtige Pflege wird das Baby dabei unterstützt, den eigenen Körper zu erkunden und Freude an den eigenen Körperfunktionen zu finden. Es lernt die Grenze zwischen Körper und Außenwelt kennen und entwickelt so stufenweise das Bild vom eigenen Körper. Dies geschieht zum einen, indem das Baby seinen Körper selbst aktiv bewegt und zum anderen,  indem jemand anders das Baby berührt, anfasst, füttert und pflegt.

Bei der Pflege nimmt ein Erwachsener dem Baby die unangenehme Anspannung, die es erlebt, wenn es körperliche Bedürfnisse verspürt. Je besser die Bedürfnisse eines Säuglings verstanden und befriedigt werden, umso besser kann das Baby nach und nach seine Zufriedenheit nach Bedürfnisbefriedigung ausdrücken, aber auch die „richtigen“ Signale geben, welches Bedürfnis diesmal dran ist. Damit lernt das Baby mitzubestimmen, was mit ihm geschieht und sich als aktiver Part zu fühlen, was das Baby in dem Gefühl von Kompetenz bestärkt. Klingt logisch, oder?

Laut Pikler kann dann ein Säugling, der während der Pflege emotionale Sicherheit erfährt und sich „kompetent“ fühlt, nach der Pflege selbst aktiv werden, d.h. sich auch ohne das Zutun von Erwachsenen interessiert und mit Freude mit der Außenwelt beschäftigen.

Und das ist nur für das Baby toll. Besonders als Zweifach-Mama bin ich nämlich schon sehr froh, wenn sich die Kleine gut alleine beschäftigen kann und ich mich (ohne schlechtes Gewissen) der großen Schwester oder anderen Dingen widmen kann.

Also für alle, die es mit der Babypflege à la Pikler versuchen wollen – hier ein paar Tipps:

  • Nimm das Baby erst auf, wenn es sich darauf eingestellt hat: Sprich es an und suche seinen Blick
  • Vermeide hastige Bewegungen, berühre es sanft und lass dem Baby Zeit, sich vorzubereiten
  • Beginne einen Dialog und beschreibe dabei, was Du tust
  • Hör dem Baby zu, wenn Du es pflegst
  • Warte die Bewegungen des Babys ab, bevor Du handelst (u.a. beim Anziehen)
  • Vermeide: die Beinchen zu hoch zu heben und das Baby zu schnell auf die Seite zu drehen
  • Ideal: Wiederholung der Abfolge der Tätigkeiten in gleicher Reihenfolge mit ähnlichen Worten, da die Vorhersehbarkeit dem Kind Sicherheit gibt
  • Achtung.: Wenn alle Gesten nicht wirklich aufmerksam vollführt und mechanisch werden, kann kein Dialog entstehen und das Baby keine Kompetenz entwickeln
  • Ein kooperierender Säugling hat Freude daran, sich am Pflegeprozess zu beteiligen und „es selbst zu machen“
  • Wenn das Wickeln und das Anziehen nur „schnell – schnell“ erledigt wird, kann passieren, dass das Baby die hektischen und mechanischen Bewegungen als unangenehm empfindet und damit auch die gemeinsam verbrachte Zeit als freudlos erlebt. Und das wäre doch sehr schade…

Jetzt bin ich aber auf Eure Meinung zu diesem Ansatz gespannt: Also was haltet ihr davon? 

 

Dieser Beitrag basiert auf Aufsätzen aus dem Buch:

„Pikler. Ein Theorie- und Praxisbuch für die Familienbildung“ von Astrid Gilles-Bacciu / Reinhild Heuer / Bildungswerk der Erzdiözese Köln e.V. / Pikler Gesellschaft Berlin e.V.

 

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Ein Kommentar

  1. Meiner Meinung nach ist das auch ein echter Vorteil vom Wickeln mit Stoff: Man erlebt die Pflege und das Wickeln selbst als Quality Time, man beschäftigt sich mehr mit dem ganzen Drumherum um das Wickeln. Wenn die Kinder älter werden, suchen sie sich zB. die Stoffwindel selbst aus welche sie tragen wollen. Mit einer kleinen „Steigerung“ zu Windelfrei nimmt man die Ausscheidungen und das Bedürfnis nach dem Ausscheiden ganz anders wahr, was die Kommunikation und die Bindung immens verstärkt! Schöner Artikel, danke dafür 🙂 LG Charlie

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