Hilfe, mein Kind trotzt (immer noch)

Es geht weiter. Neben sehr harmonischen Tagen, an denen es mit Baby und Kleinkind vollkommen gemütlich abgeht, gibt es auch noch andere Tage. Tage, an denen sich die Große vor dem Kindergarten auf den Boden wirft, weil die Babyschwester in der Trage sitzt anstatt im Kinderwagen liegt oder abends lauthals protestiert, weil sie im Wohnzimmer anstatt im Kinderzimmer schlafen will oder weil der Papa es wagt, die kleine Schwester zu wickeln oder oder oder… Anlässe zum Toben gibt es reichlich.

Der erste richtige Trotzanfall (dabei ging es um eine nasse Windel, die das Kleinkind nicht ausziehen wollte) wird mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Dabei hat sich die Große so reingesteigert, dass sie vor lauter Wut fast gebebt hat und ins Stottern geraten ist. Ich hatte schon Angst, sie hat einen epileptischen Anfall. Im Ernst – so kannte ich mein Mäuschen noch gar nicht. Das war neu, hat mich zuallererst schockiert und ziemlich hilflos gemacht. Mittlerweile reagiere ich bei einem Wutanfall je nach Tagesverfassung mal genervt – mal gelassen. Zumindest kenne ich diese Situationen jetzt und weiß, dass die Wut vorbei geht. Je ruhiger ich bleibe, umso leichter tut sich die Große damit, sich zu beruhigen. Um gelassen zu bleiben, atme ich erst einmal tief durch und lasse die Große ihre Wut „ausleben“. Solange sie sich dabei nicht selbst verletzt (was gottseidank noch nicht der Fall war), ist das auch vollkommen ok. Die Wut gehört eben dazu.

Die Themen „Trotzen“ und „Autonomiephase“ beschäftigen mich aber immer noch, weshalb ich nach „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“ von Christina Tropper und Alexander Smutni-Tropper auch das Bauch „Ich will! Aber! Nicht!“ von Susanne Mierau zur Rezension gelesen habe. 

Wieder einmal habe ich ein paar Punkte mitgenommen, die ich angestrengten Eltern mit auf den Weg durch die Autonomiephase geben möchte: 

  • „Trotzen“ ist kein Fehlverhalten, sondern ein wichtiger Entwicklungsschritt im Leben eines Kindes
  • Das kindliche Gehirn ist in emotionalen Situationen nicht dazu gemacht, bewusst und überlegt zu reagieren 
  • Jedes Kind durchlebt die Autonomiephase anders und ein Trost für alle, bei denen es besonders heftig ist: Je intensiver die Trotzphase, umso ruhiger die Pubertät (das steht zwar nicht in dem Buch und ist nicht wissenschaftlich belegt, aber unsere Kindergärtnerin meinte das – und ich rede es mir tagtäglich ein)
  • Durch Autonomie und Selbstständigkeit erfährt das Kind die Selbstwirksamkeit = das zukünftige Selbstbewusstsein

Aber auch bei jeglichem Verständnis für die Autonomiebestrebungen des Kindes: Es bleibt eine anstrengende Zeit, die zu meistern ist. Susanne Mierau gibt auch dazu einige Tipps und Empfehlungen ab:

  • Lasst die Kleinen selber machen, ob in der Küche, beim Anziehen, beim Essen oder bei der Hausarbeit
  • Zeigt dem Kind, wie es mit Wut umgehen kann (Schreien, ein Kissen hauen…)
  • Dein Kind will kooperieren. Achtet auf die „Kooperationsfähigkeit“ Eures Kindes. Dabei hilft es, das Kind zu beobachten. Was will es? Was braucht es wirklich? Ist es müde oder hungrig?
  • Dein Kind braucht Hilfe bei der Regulation seiner Gefühle. Schenke ihm positiven Körperkontakt, höre zu und spreche mit dem Kind auf Augenhöhe.
  • Verwende bei den „Gesprächen“ keine doppelten Verneinungen, vermeide Ironie (die verstehen Kinder nämlich noch nicht), versuche das Gesagte zu spiegeln (ich verstehe, dass…) und sende Ich-Botschaften
  • Sage Deinem Kind, dass Du es liebt hast. 
  • und zu guter Letzt: Nimm es mit Humor… so gut es halt geht.

Und: Habt Ihr noch weitere Tipps für diese spannende Phase?

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