2 Jahre Kleinkind-Sein

Endlich. Endlich bin ich 2. Jetzt gehöre ich schon zu den fast ganz Großen. Fast.

Endlich haben nun auch Mama und Papa kapiert, dass ich kein Baby mehr bin. In den letzten Wochen vor meinem Geburtstag habe ich mich nämlich noch einmal ordentlich ins Zeug gelegt, um ihnen das zu beweisen. Ich spreche mehr als 100 Wörter, wovon die Erwachsenen zumindest die Hälfte versteht. So komme ich viel leichter durchs Leben, kann meine Wünsche äußern, meine Umwelt gehörig austricksen, meine Stofftiere herumkommandieren und vieles mehr.

Ich kann mich mittlerweile alleine ausziehen und meine Schuhe alleine anziehen. Ich kann alleine Stufen steigen, die Zähne putzen und Blumenzwiebeln in der Erde vergraben. Den Kinderwagen schiebe ich mit links, das Töpfchen samt der dazugehörigen Prozedur am Klo habe ich vor Kurzem wieder entdeckt und das Öffnen von Türen beherrsche ich auch schon recht gut. Überhaupt: Auf die Schnelle fällt mir kaum etwas ein, was ich ohne Mamas und Papas Hilfe nicht erledigen kann… Ach ja, beim Aus- und Anziehen von Windel und Body feile ich noch an der passenden Technik. Das ist gerade eine ziemlich große Herausforderung. Jedenfalls trainiere ich das weiterhin. Wenn ich dazu nur mehr Zeit finden würde.

Nach unserem Umzug in die neue Wohnung, meiner Quarantäne wegen den blöden Windpocken und dem Osterurlaub bei Oma und Opa bin ich nämlich in meinem neuen Kindergarten und auf vielen neuen Spielplätzen gelandet. Im Kindergarten verbringen Mama und ich meist lustige Stunden, wobei es mich allmählich ein wenig nervt, dass Mama zuerst immer mit will, dann elendslange auf dem Klo verschwindet und mich dann immer in dem Moment abholt, wenn ich gerade mitten bei meinem Lieblingsspiel bin. Viel zu früh. Dabei kann ich es kaum erwarten, endlich wieder mit den anderen Kindern zu Mittag zu essen und danach ein Päuschen einzulegen. Zu Hause setzt mir Mama immer so seltsame gesunde Kost vor und versucht mich hinterher zu einem Schläfchen zu überreden während sie selbst längst zu schnarchen begonnen hat. Wie soll das bitte funktionieren?

Ich bin nämlich nicht nur eine fast ganz Große. Obendrein bin ich eine riesig Schlaue und weiß genau, wie ich Mama und Papa dazu bringe, das zu tun, was ich will. Wenn sie mich zum Mittagsschlaf im Gitterbett einsperren, schreie ich so lange, bis mich einer von den beiden wieder aus diesem Gefängnis befreit. Wenn ich auf den Spielplatz will, gehe ich einfach. Mama tut sich mit ihrem runden Bauch nämlich schon recht schwer, mir hinterherzukommen geschweige denn mich zu schnappen und auf der Schulter in die entgegengesetzte Richtung zu tragen. Wobei: Manchmal tut sie das doch. Denn: Auf den Spielplatz will ich derzeit mindestens 2x täglich. Wie soll ich auch daran vorbeigehen, wenn wir jetzt einen Spielplatz direkt vor der Haustür haben?

Also: Liebe Mama und lieber Papa. Findet Euch damit ab, dass ihr mir nicht mehr vorschreiben könnt, was ich tun und was ich nicht tun soll. Ich bin jetzt nämlich 2. Das Tolle daran für Euch ist, dass ihr nicht mehr alles für mich entscheiden und überlegen müsst, was das Beste für mich ist. Das weiß ich jetzt schon selbst. Und ihr habt mehr Zeit und könnt Eure ganze Energie in die Erziehung und Pflege meiner zukünftigen Babyschwester stecken. Wenn Ihr dabei meine Hilfe oder irgendwelche Tipps braucht, könnt Ihr Euch natürlich immer an mich wenden. Schließlich war ich ja auch einmal ein Baby… vor laanger/laanger Zeit. Aber jetzt lasst uns erst mal richtig feiern…

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